2. Rückkehr

Merlin stand in seinem Zimmer und blickte aus dem Fenster. Er hatte seit Tagen ein merkwürdiges Gefühl in der Magengegend. Etwas stimmte nicht. Dann sah er in den Himmel. Er war ungewöhnlich grau… Nicht strahlend blau wie sonst und es war auch keine Wolke zu sehen. Einfach nur ein verwaschenes Grau. Es beunruhigte ihn, ohne zu wissen, warum…

Plötzlich vernahm er vor seiner Tür laute Schritte. Und dann hörte er Arthurs Stimme: “Merlin!” Etwas war passiert! Er stürmte aus dem Zimmer und sah gerade noch Arthur und zwei seiner Ritter, die in Richtung von Gaius´ und Leeanas Zimmer eilten. Merlins Herz setzte einen kurzen Moment aus. War etwas mit einem von beiden geschehen? Er hetzte hinterher. Dann war auch er angekommen. Arthur und die Ritter waren schon im Zimmer verschwunden. Als er eintraf, wurde er bereits erwartet. “Was ist geschehen, Sire?” fragte er direkt an Arthur gerichtet und dieser zeigte auf Gaius´ Bett, in dem, was Merlin jetzt erst bemerkte, ein junges Mädchen lag. Sie sah furchtbar aus. Ihre Kleidung war nass und teilweise zerrissen, und in ihrem Gesicht waren Spuren eines Kampfes zu sehen. Sie war blass und schien mehr tot als lebendig.

Leeana hatte Umschläge mit einer Heiltinktur versetzt und legte diese auf die Stirn des Mädchens. Gaius war dabei, neue Heilsalben herzustellen. Doch das Mädchen wachte nicht auf.. “Es hilft nicht, Sire! Wir haben jetzt alle erdenklichen Salben und Kräuter ausprobiert…” Er sah Merlin beinahe flehentlich an. Dieser blickte zu Arthur, der ihm zunickte. Daraufhin ging Merlin zu dem Mädchen und nahm ihre Hand in seine. Eigentlich wollte er nur den Lebensstrom in ihrem Körper spüren, um dadurch erkennen zu können, wie er sie am besten heilen könnte, als ihn eine Vision solchen Ausmaßes traf, wie er sie noch nie erlebt hatte.
Was er sah, ließ ihn für einen kurzen Augenblick erstarren. Um ihn herum war Zerstörung. Es dauerte einen Moment, bis er begriff, dass das, was er da sah, Camelot gewesen war! Die Häuser, Dörfer, Länder, alles war dem Erdboden gleichgemacht worden!

Es sah aus wie nach einem Erdbeben. Dann sah er eine Feuersbrunst, die sich auf das Schloss zu bewegte. Und, als ob das nicht reichen würde, kam auch noch eine riesige Sturmflut auf, und versenkte alles unter sich! In einem immer grauer werdenden Himmel schlossen sich schließlich die Winde zu einem Orkan zusammen. Alle Elemente schienen sich gegen Camelot verschworen zu haben und sein Ende einzuläuten.
Und dann sah Merlin eine Gestalt in dem Inferno auf ihn zukommen. Die Gestalt kam immer näher, und schließlich konnte er ihr Gesicht sehen. Ein Gesicht, das sich zu einer Fratze verzog, und er hörte sie laut lachen: “Camelot, dein Ende ist nahe!” waren die letzten Worte, die er hörte, dann war die Vision beendet.

Merlin zog seine Hand zurück und keuchte. Ihm war kalt. Er hatte sie erkannt! Schockgeplagt sank er auf die Knie und war zuerst nicht in der Lage, etwas zu sagen.
Arthur und Gaius waren erschrocken und schockiert zu ihm gelaufen und Arthur versuchte, ihm hoch zu helfen. “Was ist los, Merlin? Was hast du gesehen?” Er ahnte, das Merlin eine Vision gehabt hatte und seiner Reaktion nach zu urteilen, musste es etwas Grauenvolles gewesen sein… Auch Gaius und Leeana waren besorgt.

Merlin sah Arthur an und in seinen Augen stand blankes Entsetzen. Dann sagte er nur ein Wort; ein Wort, dass allen Anwesenden Gänsehaut über den Rücken fahren ließ: “Morgana”…

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Christal, 31
Traumland